Mittwoch, 26. Januar 2011

Belastung aus tieffrequentem Schall

Klagen über tieffrequenten Schall scheinen in letzter Zeit zuzunehmen. Allerdings gibt es hierzu noch nicht allzu viele Untersuchungen, die auch eine erhöhte Belastung als Ursache belegen. Eine Zunahme von Klagen kann aber plausibel durch eine gesteigerte Anzahl tieffrequenter Schallquellen (Windkraftanlagen, Kraftwerke), durch den Fokus auf höherfrequentigen Schall bei der Schalldämmung oder durch gesteigerte Beeinflussung des menschlichen Organismus aufgrund tiefer Frequenzen erklärt werden.



Tieffrequenter Lärm, nach DIN 45680 in Frequenzen zwischen 10 und 80 Hertz, entsteht häufig so, dass eine Schallquelle Schall mit einem gewissen tieffrequenten Anteil abstrahlt, der aber erst dann dominant wird, wenn mittlere und hohe Frequenzen des Schalls nach der Ausbreitung und insbesondere nach einer Dämpfung, z.B. durch Fensterscheiben, gefiltert werden. Hierbei dringen tiefe Frequenzkomponenten nahezu ungehindert in hinter der Scheibe liegende Räume und das Geräusch erhält einen tonhaltigen Charakter, der die unangenehme Wirkung noch verstärkt. Das Geräusch wird dann zu Lärm.

Ein besonderes Merkmal in der "Klagestatistik" bei tieffrequentem Schall bzw. Lärm ist die ansonsten ruhige Umgebung, in der sich die Betroffenen normal befinden, wie auch schon Wissenschaftler der Saldford University festgestellt haben. Dies gibt Anlass zur Vermutung, dass nicht allein das Vorhandensein tieffrequenter Geräuschanteile, sondern das gleichzeitige Fehlen anderer Frequenzen den Schall zu Lärm und damit zu einer Belastung werden lässt. Ebenso fühlen sich mehr ältere Menschen und eher Frauen von tieffrequentem Schall gestört.


Aber was ist nun wirklich dran an den Klagen und dem Zusammenhang mit überproportional vertretenen Frequenzanteilen in einem Geräusch? Immerhin berichten die Betroffenen über Symptome wie Frustration, Nervosität, Einschlafstörungen, Müdigkeit, Angst, Druck in Ohren und Körper sowie Kopfschmerz. Untersuchungen an der Bergischen Universität in Wuppertal haben diesbezüglich ergeben, dass die Verteilung und Gewichtung von Frequenzen sehr wohl Einfluss auf die Bewertung eines Geräusches hat. In einem Hörtest wurden dort tieffrequente Stimuli mit steilen Flanken zu höheren Frequenzen von Probanden als eher belastend bewertet als Geräusche mit flachen Flanken, also höherem Anteil an mittleren und hohen Frequenzen.

Doch falls an dieser Hypothese was dran sein sollte, würde das bedeuten, dass leiser nicht immer besser sein muss. Lärmschutz bzw. Schallschutz kann sich in solchen Fällen also auch kontraproduktiv auswirken. Es bleibt also abzuwarten, welche Wege Forschung und Entwicklung auf diesem interessanten Gebiet der Bauphysik noch gehen werden.

Zurück zur Startseite >>>

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen